Plastikfastenzeit

Am Aschermittwoch ist alles vorbei. Und es beginnt die Passions- oder Fastenzeit. 40 Tage bis Karfreitag und Ostern. Die Katholischen Kirchengemeinden in Stuttgart schlagen vor, auf Plastik zu verzichten: “40 Tage für die Welt” heißt ihr Projekt. Und die evangelischen Kirchen sind wieder mit ihrer Aktion “7 Wochen ohne” am Start und haben für 2019 das Thema gewählt: 7 Wochen ohne Lüge. Plastikfasten und/oder ohne Lüge leben? Das scheint ein ziemlich unterschiedliches Programm. Doch es gibt durchaus eine Verbindung. Die größten Lügen funktionieren nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Was ich nicht sehe, gibt es nicht. Wenn Obdachlose aus den Innenstädten vertrieben werden oder arme Menschen aus einem besseren Wohnquartier wegziehen müssen, dann sind sie scheinbar nicht mehr da. Auch mit Plastikmüll funtioniert das. Eine Untersuchung hat ergeben, dass die G7 Länder, die weltweit am meisten Plastikmüll produzieren, auch die größen Plastikmüllexporteure sind. Der meiste Plastikmüll geht nach Südostasien. Dort gibt es viel Meer.

Nun ist die Belastung der Ozeane mit Plastik ein globales Thema geworden. Und in der poltischen Diskussion hört man Stimmen, dass dieses Problem nur gemeinsam und international gelöst werden kann. Vielleicht wäre aber auch ein nationales Exportverbot für Plastikmüll eine gute Idee. Dann wäre das Problem des Plastikverbrauchs dort sichtbar, wo es entsteht.

In der Zwischenzeit können wir die Fastenzeit nutzen, bei uns selbst anzufangen und unseren Plastikverbrauch reduzieren. Und darüber nachdenken, dass Lüge mehr ist als das was ich sage. Der praktische Selbstversuch des Plastikfastens und das Bewusstsein struktureller Lügen, die entlarvt und sichtbar gemacht werden müssen, passt doch ganz gut zusammen als ökumenischer Impuls in der Passionszeit.

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